Eine Blüte für meine Gedanken

Tag 8

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Tag 8
Tagebuch
Der Morgen war trockener als der Letzte. Die Flut war wieder da und ich beschloss mir erstmal ein hübsches Frühstück zu sammeln, also zog ich meine Schuhe aus und watete im seichten Wasser umher. Zum Frühstück gab es schließlich einen Fisch und zwar so einen Großen.

Später lief ich weiter am Strand entlang und Ebbe und Flut begleiteten mich. Das war mir allerdings wesentlich lieber, als von den Mapori beobachtet zu werden. Ich lief also weiter bis die Flut mich wieder zum Anhalten zwang, aber vor mir sah ich, dass die Felsformation, die neben mir noch hoch aufragte, da hinten am Horizont an Höhe verlor, bis sie schlussendlich im Meer versank.

Ich war sehr neugierig, was mich dahinter erwarten würde, aber ich konnte jetzt erstmal nicht weiter gehen. Die Flut hielt mich noch eine Weile auf und eigentlich muss ich mir langsam einen Platz zum Übernachten suchen. Aber meine Neugier trieb mich weiter, also lief ich dem Horizont entgegen bis die Sonne in meinem Rücken im Meer versank. Ich hatte immer den feuchten Sand im Auge behalten. Ich wollte auf keinen Fall wieder mit nassen Füßen aufwachen, weil ich meinen Schlafplatz nicht mit Bedacht wählte.

Nun sitze ich wieder auf einem kleinen Felsen, sicher ist sicher, mit Blick auf den großen Felsen vor mir. Mein Essen war gut, gegrillte Schnecken zur Vorspeise, dann gegrillte Krabben als ersten Gang und in Palmblätter gewickelte und mit dieser Nussmilch gedünsteter Fisch als Zweiten und zum Nachtisch das weiße Fleisch der Riesennuss. Nun hab ich noch ein wenig Zeit, das Feuer brennt noch eine Weile und das Blatt auf dem ich schreibe ist noch nicht ganz voll, also will ich noch ein Wenig mehr erzählen, was während des Wettbewerbs auf Secundum geschah.

Naja, ich bin mir nicht sicher, wie viel du davon mitbekommen hast. Du hattest ja schließlich noch eine Anstellung in der wandernden Stadt, bis du dich entschieden hast, deinen Beruf an den Nagel zu hängen. Ich bilde mir ja immer noch ziemlich was drauf ein, dass du nach nur einer Nacht mit mir, gleich deine Anstellung aufgekündigt hast. Ich wusste ja nicht wie gut ich sein musste, es waren ja doch ein paar Jährchen her bei mir… Aber du musst es ja wissen, es ist ja schließlich dein Gewerk.

Aber die Änderung deines Namens, wäre wirklich nicht nötig gewesen. Hat er mir doch sehr gut gefallen. Und wie du deinen Namen bei deiner Arbeit immer wieder wiederholt hast, hat mir noch viel besser gefallen.

Ich schweife ab, wollte ich doch von den Vorkommnissen erzählen, die hier geschehen waren, es ist ja noch keine 14 Tage her, als unser Urtum eines Nachts einfach verschwand.

Nachdem ich auch nicht wusste, was ein Urtum ist, schreib ich nun das nieder, was man mir selbst erzählt hat, auch wenn ich es nur bedingt verstand, was man mir erklärte, ich bin ja auch nur ein einfacher Metzger. Ein Urtum ist ein altes Baumwesen ähnlich wie ein Ent. Nur die Urtümer auf dieser Insel bewegen sich kaum mehr. Die Mapori verehrten die Urtümer sehr, es waren drei an der Zahl, die sich jeweils auf einem Knotenpunkt von wichtigen Energielinien zur Ruhe gesetzt hatten, von denen sie sich ernährten. In einfachen Worten, ein Urtum ist ein phantasmagorisches, parasitäres Unkraut, wer hat mir nur so viele schwere Wörter beigebracht? Das kommt davon, wenn ich immer meine Zeit mit meinem Herren und seinen Druiden verbrachte. Da schnappt man sehr viel auf.

Also dieser Urtum war für unser Lager extrem wichtig, weil dieser auf der Energielinie unseres Aeons saß und sich von der Energie nährte. Ohne die Verbindung zu unserem Aeon konnten unsere Druiden nicht mit dem Aeon sprechen. Also war das Erste was wir taten, wir gingen in den Wald, um mit dem Urtum reden zu wollen.

Vom ersten Zusammentreffen mit den Mapori habe ich ja schon erzählt, ja das eher kurze Treffen, dass sehr abrupt von der Säerin beendet wurde, weil unser Schreiberling einen Stapel Papier dabei hatte.

Also dauerte der Versuch etwas länger, um mit unserem Urtum reden zu dürfen. Schlussendlich wurden wir vor den Wächter des Urtum gebracht und mein Herr Quain stellte sich als der erste Streiter der ersten Insel vor. Der Wächter machte nicht gerade den Eindruck, als würde er mit uns reden wollen. Erst sehr viel später erfuhren wir, dass er des Redens gar nicht mächtig war, wenn er nicht mit dem Urtum verbunden war. Wir schafften es auch nur einmal den Wächter zum Reden zu bekommen, bevor der Urtum einfach verschwand.

Als der Urtum aus unserer Mitte gerissen wurde, konnte man den Schrei des Wächters bis zum Turnierplatz hin hören. Der Schrei schien gar nicht mehr verklingen zu wollen, später konnte man den Klagegesang der Säerin hören.

Mein Herr wurde, wie so viele von uns, von dem Schrei des Wächters aus dem Schlaf gerissen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob du den Schrei des Wächters überhaupt gehört hast? Du hast ja tief und fest geschlafen, als ich aus meinen süßen Träumen gerissen wurde. Der Schrei des Wächters fuhr mir durch Mark und Bein. Und nachdem ich das Horn unseres Lagers hörte, stolperte ich splitterfasernackt aus dem Vergnügungsviertel und bis ich wieder im Lager war, hatte ich zumindest meine Hose wieder an. Mein Herr war bereits mit ein Paar seiner Männer in den Wald gelaufen und ich stolperte mit offenen Schuhen hinter ihnen her.

Der Klagegesang der Säerin wies in dieser Nacht nicht nur mir den Weg. Viele der Wettstreiter folgten dem Ruf der Mapori in dieser Nacht und das was wir im schummrigen Licht der Lampen sahen, ließ uns den Atem stocken.

Der einst so prächtige Stamm des Urtums, war nur noch zu einem Bruchteil an der Stelle, die mächtige Krone des Urtums war einfach verschwunden und der Stamm sah wie abgefressen aus. Es lag nicht mal ein Blättchen von ihm am Boden. Und die Erde um seine Wurzeln war aufgewühlt und überall war dieser Schleim, der im Dunkeln leicht blau schimmerte.

Der Wächter wand sich nun wieder ohne einen Ton von sich zu geben vor den Überresten des Urtums und man konnte ihm direkt ansehen, unter welchen unglaublichen Schmerzen er in diesem Moment leiden musste. Er war nun wieder stumm, doch konnte man immer noch seinen Schrei durch den Wald hallen hören.

Mein Herr rief alle seine Druiden zusammen, doch selbst die mächtigsten Heiler, Magier und Druiden konnten den Wächter nicht mehr retten.

Im Morgengrauen starb der Wächter in den zitternden Armen der Säerin. Die Wächter der anderen Urtümer kamen hinüber und trugen die Säerin und den Leichnam des Wächters über den Bach zur Himmelstreppe hinauf. Die beiden anderen Urtümer schützten sich vor weiteren Angriffen mit einer Art magischen Barriere, die selbst ich mit bloßen Auge sehen konnte, so mächtig war sie. Jeder der dem Urtum wohlgesonnen war, konnte diese Barriere überschreiten.

Selbst die erbittersten Gegner in diesem Wettstreit saßen an diesem Morgen vor dem Stumpf des Urtums und weinten und beteten um diesen so mächtigen Baum.

Mein Herr Quain blieb vor dem Stumpf des Urtum sitzen und wartete bis die anderen Wächter oder die Säerin wieder zurückkamen. Es dauerte fast bis zur Mittagsstunde bis sich etwas tat. Erst als der Phönix des Südens auf der Lichtung erschien, schritt die Säerin vom Berg herab. Der Phönix sprach: ‘Rose der Mapori, ich sehe deine Trauer!’

Mein Herr stand einfach auf und ging langsam und ehrerbietig zu ihr hinüber, auf dem Weg zur ihr lies er alle seine Waffen und seine Rüstung fallen und legte schlussendlich die Waffe des Ersten Streiters vor ihre Füße. Dann schwor er feierlich, dass er sich auf die Suche nach dem Urtum machen würde und nicht eher ruhen würde, bis das Gleichgewicht der Mapori wieder hergestellt sei. Ich beobachtete die Szene argwöhnisch, doch selbst der Phönix des Südens nickte der Säerin zu und ging wieder zurück zum Turnierplatz.

Die Säerin aber kniete sich zu Quain hinunter und sprach zu ihm: ‘Ihr legt mir Stein und Stahl zu Füßen, weil Euer Herz voll Trauer ist. Weder auf Stein noch auf Metall wächst keines Samens Keim, was soll mir das nutzen?’

‘Werte Rose der Mapori, mein Herz ist so voll Trauer, das ich weder Stein noch Stahl mehr in meinen Händen halten kann, bevor euer Bruder wieder in Eurer Mitte ist.’

‘Mein Bruder ist für ewig verloren…sein Licht weilt nicht mehr auf diesem Grün...’ flüsterte sie noch, bevor ihre Stimme brach. Tränen liefen ihr unaufhörlich aus ihren Augen und jeder Tropfen ihrer Tränen, der auf den Waldboden tropfte, brachte ein Buschwindröschen zum Blühen.

Ich konnte genau hören, wie das Herz meines Herren zu brechen schien und deshalb verwunderte es mich auch nicht, als er beherzt nach ihren bebenden Händen griff und sie langsam an seine Brust zog. ‘Für jede Eurer Tränen bricht mein Herz ein weiteres Stückchen von dem Stein, den ich auf Primum erstritt, so dass von diesem Stein nichts mehr übrig bleiben möge.’

Sie blickte auf und berührte seine Brust und ich konnte ein kleines Lächeln über ihr Gesicht huschen sehen, bevor sie ihm zu flüsterte: ‘Ich schätze das Opfer, dass ihr uns bringen wollt!’

Dann brach sie endgültig zusammen. Er konnte einfach nicht anders und zog sie in eine liebevolle Umarmung. Er strich ihr sachte über ihren Rücken, denn er traute sich nicht recht ihren blumigen Haarschmuck zu berühren. Dabei bemerkte er gar nicht, dass die Bogenschützen der Mapori alle samt auf ihn anlegten. Er war voll und ganz damit beschäftigt der Säerin beruhigende Laute ins Ohr zu flüstern. ‘Bitte nehmt mein Opfer an, mehr als mein Herz und meine Hand kann ich euch nicht geben!’

Daraufhin standen alle Wettstreiter, die sich noch auf der Lichtung befanden, auf, legten ihre Waffen nieder und schritten in ihre Richtung um sich ebenfalls ins moosige Gras der Lichtung zu knien und der Säerin damit ihre Anteilnahme zu zeigen und ihre Mithilfe anzubieten. Ich sah Einige, wie sie die Steine der Uth vom Hals nahmen, um ihn vor sich in die Wiese zu legen.

Wenn ich mal am Schreiben bin, dann kann ich kaum noch aufhören, aber ich hab kein Holz mehr und selbst die Schalen der Nüsse glimmen nur noch in der Asche.

Ich werde morgen fortfahren, mein Herz. Oder wer auch immer meine Geschichte lesen wird….

Der Elmar

Tag 7

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Tag 7
Tagebuch 
Die Flut weckte mich, an diesem Morgen. Ich hatte mich unter einer einsamen Palme zur Ruhe gelegt. Ich war eigentlich der Meinung, das mich der Hunger wecken würde. Nein, es waren die nassen Füße bis zum Hals. Zum Glück lag ich auf meinem ganzen Zeugs und war letzte Nacht mit dem Tagebuch auf meiner Brust eingeschlafen. Es ist nur ein wenig feucht geworden. 

Ich kletterte auf die Palme und wartete. Dort oben hatte ich genug Zeit um meine Sachen zu trocknen und sinnierte eine ganze lange Weile über die Sätze der Säerin nach und was sie wohl damit gemeint haben könnte. Schlauer wurde ich nicht daraus, aber ich hatte ihr auch nicht meinen ganzen Plan erzählt. Ich wollte ja nicht nur bis zur Baumwollplantage, sondern ich wollte ein Stückchen weiter laufen.

Nach einer gefühlten halben Ewigkeit, ging die Flut zurück und gab den Strand wieder frei. Ich kletterte vom Baum herab, packte meine Sachen und lief weiter, aufmerksam den Meeresspiegel und den Strand beobachtend. Am Strand lagen nun unzählige Muscheln und Schnecken herum. Mein Glück und ein eher weniger leckeres, wenn auch sehr nahrhaftes Frühstück. Ich hoffte wieder auf ein paar Krabben, einen dummen Fisch oder eine von diesen enormen Nüssen.

Naja, am Strand würde ich zumindest nicht verhungern, aber der Durst plagte mich schon arg. Ich hatte noch einen Schluck Schnaps, den wollte ich für noch schlechtere Zeiten aufheben. Der Weg wurde zäh, so viel Wasser und doch nichts zu trinken. Ich hätte zu hause bleiben sollen, in meiner kleinen Metzgerei und hätte die hässliche Tochter vom Schmied heiraten sollen. Ich wollte schon aufgeben, doch am Ende rettete mich tatsächlich so eine Nuss vor dem Verdursten. Auch wenn mich der Kampf dieses zähe Ding zu öffnen fast meine letzten Kräfte gekostet hatte.

Zur Mittagsstund war der Strand wieder groß und weit und als ich dann weiter lief, kam langsam aber sicher die Flut. Gegen Abend brachte sie mich wieder in arge Bedrängnis, aber zum Höhepunkt der nachmittäglichen Flut entschloss ich mein Lager am höchsten Punkt auf einem großen Felsen aufzuschlagen. Ich hatte eh allerlei Zeug gesammelt, dass ich nun verarbeiten wollte. Von Treibholz, über Nussschalen bis hin zu einer Krabbe und ein paar Schnecken. Ich beschloss alles zu verarbeiten, was ich fand.

Am Abend hatte ich sogar noch einen Fisch fangen können. Ich bastelte mir einen Hut aus Palmenblättern gegen die Sonne, die mich morgen wieder erwarten würde. Dann machte ich Feuer aus dem trockenen Treibgut und den Überresten dieser Riesennüsse, von denen ich noch Einige gefunden hatte. Die Schnecken schmeckten gebraten besser. Zumindest war mein Durst und mein Hunger soweit gestillt, nur ich musste morgen früh gleich wieder auf die Suche gehen.

Mal sehen was der Morgen mir bringt, ich wollte noch ein paar Krabben fangen und sie grillen, in der Hoffnung einen weiteren Baustein für meine Ernährung zu finden. Das Fruchtfleisch der Nuss, war sehr lecker und aromatisch.

Gute Nacht geliebte Erika. Ich hoffe du vermisst mich schon….

dein Elmar

Tag 6

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TagebuchIch​ ​war​ ​nie​ ​froher​ ​die​ ​Sonne​ ​auf​ ​meinem​ ​Gesicht​ ​zu​ ​spüren,​ ​wie​ ​an​ ​diesem​ ​Morgen.
Ich​ ​hatte​ ​gestern​ ​tatsächlich​ ​alles​ ​zusammengepackt​ ​und​ ​war​ ​ungefähr​ ​zur​ ​Mittagsstunde losmarschiert.
Nachdem​ ​ich​ ​mir​ ​reichlich​ ​beobachtet​ ​vorkam,​ ​versuchte​ ​möglichst​ ​viel​ ​Strecke​ ​zu​ ​machen, bevor​ ​ich​ ​mir​ ​ein​ ​Loch​ ​suche,​ ​indem​ ​ich​ ​mich​ ​für​ ​die​ ​Nacht​ ​verkriechen​ ​wollte.
Natürlich​ ​kam​ ​es​ ​ganz​ ​anders. Ich​ ​lief​ ​eine​ ​gefühlte​ ​halbe​ ​Ewigkeit​ ​am​ ​Strand​ ​entlang​ ​und​ ​fand​ ​tatsächlich​ ​ein​ ​paar Krabben​ ​und​ ​eine​ ​enorme​ ​Nuss,​ ​die​ ​ich​ ​später​ ​knacken​ ​wollte. Die​ ​Krabben​ ​steckte​ ​ich​ ​lebend​ ​in​ ​einen​ ​ledernen​ ​Beutel​ ​und​ ​oben​ ​drauf​ ​kam​ ​die​ ​Nuss. Gewalttätige​ ​kleine​ ​Biester,​ ​diese​ ​Krabben.
Der​ ​breite​ ​Strand​ ​wurde​ ​immer​ ​schmaler​ ​und​ ​schmaler,​ ​bis​ ​ich​ ​plötzlich​ ​vor​ ​einer unüberwindbaren​ ​Felswand​ ​stand.​ ​Nun​ ​hieß​ ​es​ ​schwimmen,​ ​klettern​ ​oder​ ​zurück​ ​und​ ​den Berg​ ​über​ ​den​ ​Wald​ ​umgehen.​ ​In​ ​den​ ​Wald​ ​bringen​ ​mich​ ​keine​ ​zehn​ ​Pferde.​ ​Und schwimmen,​ ​naja​ ​selbst​ ​wenn​ ​ich​ ​schwimmen​ ​könnte,​ ​würden​ ​mich​ ​die​ ​Wellen​ ​am​ ​Felsen
einfach​ ​nur​ ​zerdrücken.​ ​Ich​ ​probierte​ ​es​ ​also​ ​mit​ ​Klettern.​ ​Anfangs​ ​schaffte​ ​ich​ ​es​ ​tatsächlich irgendwie​ ​ziemlich​ ​weit​ ​nach​ ​oben,​ ​bis​ ​mir​ ​dann​ ​irgendwann​ ​die​ ​Kraft​ ​ausging.​ ​Mit​ ​dieser Mangelernährung​ ​war​ ​das​ ​ja​ ​überhaupt​ ​kein​ ​Wunder.
Ich​ ​oder​ ​mein​ ​Gepäck​ ​waren​ ​viel​ ​zu​ ​schwer.​ ​Ich​ ​wollte​ ​aber​ ​mein​ ​Gepäck​ ​nicht​ ​fortwerfen. Das​ ​war​ ​alles​ ​was​ ​ich​ ​noch​ ​besaß.​ ​Aber​ ​ich​ ​hab​ ​auch​ ​nur​ ​ein​ ​Leben.​ ​Also​ ​entschloss​ ​ich mich​ ​die​ ​Nuss​ ​runterzuwerfen.​ ​Als​ ​ich​ ​ohne​ ​nachzudenken​ ​in​ ​den​ ​Beutel​ ​griff,​ ​wollten​ ​die Krabben​ ​wohl​ ​mich​ ​zuerst​ ​fressen.​ ​Vor​ ​Schreck​ ​wäre​ ​ich​ ​beinahe​ ​mit​ ​samt​ ​dem​ ​Beutel​ ​mit den​ ​Krabben​ ​und​ ​der​ ​Nuss​ ​abgestürzt.
Zu​ ​meinem​ ​Glück​ ​könnte​ ​ich​ ​mich​ ​an​ ​einer​ ​Wurzel​ ​festhalten.​ ​Doch​ ​ich​ ​musste​ ​den​ ​Beutel loslassen,​ ​der​ ​verfing​ ​sich​ ​an​ ​meinem​ ​restlichen​ ​Gepäck,​ ​aber​ ​die​ ​Krabben​ ​waren​ ​sehr unruhig​ ​und​ ​schnitten​ ​sich​ ​mit​ ​ihren​ ​scharfen​ ​Scheren​ ​den​ ​Weg​ ​in​ ​die​ ​vermeintliche​ ​Freiheit.
So​ ​purzelte​ ​eine​ ​nach​ ​der​ ​anderen​ ​in​ ​die​ ​Tiefe.
Mein​ ​Fehler​ ​war​ ​in​ ​die​ ​Tiefe​ ​zu​ ​blicken.​ ​Unten​ ​standen​ ​drei​ ​Mapori​ ​und​ ​grinsten​ ​mich saublöd​ ​an.
Die​ ​warteten​ ​nur​ ​darauf,​ ​dass​ ​ich​ ​in​ ​die​ ​Tiefe​ ​stürze,​ ​damit​ ​sie​ ​mich​ ​dann​ ​verspeisen können.​ ​Ohne​ ​mich!
Ich​ ​hangelte​ ​mich​ ​an​ ​der​ ​Wurzel​ ​weiter​ ​nach​ ​oben.​ ​Und​ ​ohne​ ​zu​ ​sehen,​ ​was​ ​oben​ ​war, kletterte​ ​ich​ ​blindlinks​ ​weiter.​ ​Oben​ ​angekommen,​ ​sah​ ​ich​ ​drei​ ​paar​ ​grün-braune​ ​Füße.​ ​Ein Paar​ ​davon​ ​gehörte​ ​der​ ​Säerin.
Sich​ ​jetzt​ ​noch​ ​nach​ ​unten​ ​zu​ ​stürzen​ ​war​ ​auch​ ​blöd.​ ​Und​ ​auf​ ​knien​ ​war​ ​ich​ ​ja​ ​bereits,​ ​also wienerte​ ​ich​ ​unterwürfig​ ​vor​ ​ihren​ ​Füßen​ ​herum​ ​und​ ​redete​ ​mehr​ ​mit​ ​ihren​ ​Füßen​ ​als​ ​mit​ ​ihr.
‘Verehrte​ ​Führerin​ ​des​ ​Waldvolkes,​ ​es​ ​tut​ ​mir​ ​außerordentlich​ ​Leid​ ​Euch​ ​mit​ ​meiner Dummheit​ ​behelligen​ ​zu​ ​müssen,​ ​aber​ ​ich​ ​verpasste​ ​mein​ ​Schiff.​ ​Nun​ ​bitte​ ​ich​ ​den​ ​Wald durchqueren​ ​zu​ ​dürfen,​ ​um​ ​zu​ ​den​ ​Plantagen​ ​zu​ ​gelangen.’
‘Wäre​ ​die​ ​Straße​ ​nicht​ ​besser!’
‘Besser​ ​für​ ​die,​ ​die​ ​mit​ ​den​ ​Finsternen​ ​gut​ ​können.’
‘Nun​ ​gut​ ​zu​ ​den​ ​Plantagen​ ​geht​ ​es​ ​eh​ ​dort​ ​lang!’​​ ​meinte​ ​die​ ​Säerin​ ​und​ ​drehte​ ​sich​ ​um​ ​und wies​ ​die​ ​Klippe​ ​auf​ ​der​ ​anderen​ ​Seite​ ​wieder​ ​hinunter.
‘Danke​ ​und​ ​entschuldigt​ ​meine​ ​törichte​ ​Störung.’
Sie​ ​wedelte​ ​mit​ ​einer​ ​Hand​ ​in​ ​der​ ​Luft​ ​und​ ​ich​ ​war​ ​mir​ ​nicht​ ​sicher,​ ​ob​ ​sie​ ​nur​ ​ein​ ​Insekt vertrieb​ ​oder​ ​wollte,​ ​dass​ ​ich​ ​mich​ ​so​ ​schnell​ ​wie​ ​möglich​ ​aus​ ​dem​ ​Staub​ ​machte.
Ich​ ​machte​ ​Anstalten​ ​auf​ ​der​ ​anderen​ ​Seite​ ​wieder​ ​hinunter​ ​zu​ ​steigen.
Dann​ ​meinte​ ​sie​ ​fast​ ​beiläufig:​​ ​‘Warum​ ​nehmt​ ​Ihr​ ​nicht​ ​die​ ​Treppe?’
Es​ ​fiel​ ​mir​ ​wie​ ​Schuppen​ ​von​ ​den​ ​Augen.​ ​Es​ ​führte​ ​eine​ ​Treppe​ ​im​ ​Felsen​ ​hinab​ ​zum​ ​Strand auf​ ​der​ ​anderen​ ​Seite​ ​des​ ​Felsvorsprunges.​ ​Die​ ​Klippe​ ​zog​ ​sich​ ​wie​ ​eine​ ​natürliche​ ​Barriere am​ ​Strand​ ​entlang​ ​und​ ​der​ ​weiße​ ​Sandstrand​ ​lag​ ​völlig​ ​unberührt​ ​im​ ​Schatten​ ​der​ ​Klippe und​ ​schlängelte​ ​sich​ ​wie​ ​eine​ ​weiße​ ​Schlange​ ​am​ ​Felsen​ ​entlang.
Ich​ ​empfahl​ ​mich​ ​und​ ​stieg​ ​frohen​ ​Mutes​ ​die​ ​Treppe​ ​hinunter.​ ​Hinter​ ​meinem​ ​Rücken​ ​konnte ich​ ​die​ ​Mapori​ ​reden​ ​hören.​​ ​‘Ich​ ​war​ ​mir​ ​so​ ​sicher,​ ​er​ ​würde​ ​von​ ​der​ ​Klippe​ ​stürzen.’​​ ​Ich konnte​ ​hören,​ ​wie​ ​ein​ ​Beutel​ ​Nüsse​ ​den​ ​Besitzer​ ​wechselte.​ ​Haben​ ​die​ ​Mapori​ ​darauf gewettet,​ ​ob​ ​es​ ​mich​ ​von​ ​der​ ​Klippe​ ​lässt.​ ​Dann​ ​vernahmen​ ​meine​ ​entzündeten​ ​Ohren​ ​die butterweiche​ ​Stimme​ ​der​ ​Säerin:​ ​​‘Seine​ ​Zähigkeit​ ​wird​ ​ihn​ ​eines​ ​Tages​ ​an​ ​sein​ ​Ziel​ ​bringen. Nur​ ​ich​ ​frage​ ​mich,​ ​was​ ​er​ ​bei​ ​den​ ​Plantagen​ ​will.​ ​Die​ ​Erntezeit​ ​ist​ ​fast​ ​vorüber…’
 

Tag 5

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Erika, meine Liebe!
Tagebuch
Erzähl es nicht weiter aber dieses Karnickel hat gut geschmeckt. Und das Beste ist, ich hab ein ruhiges Plätzchen gefunden, wo ich fern ab von den Beobachtungen der Mapori ein Feuer machen konnte.

Diese Mahlzeit hätte auch meinen Herren satt und zufrieden gemacht. Karnickel im Kräutermantel mit Nussfüllung auf gebratenen Wurzelgemüse. Die Innereien habe ich zu einer kleinen aber feinen Bratwurst verarbeitet, die ich mit den restlichen Kräutern verfeinert habe. Und die werde ich heute zum Frühstück verspeisen, nachdem ich sie die halbe Nacht im Rauch meines Feuers geräuchert hatte. Und die Knochen und den Schädel werde ich mir nachher auskochen. Mal sehen ob der Wald mir nachher noch ein paar Wurzeln schenkt.

Dann habe ich einen Entschluss gefasst. Nachdem ich nicht vorhabe 1000 Jahre zu warten, bis das nächste Mal jemand mit dem Schiff auf diesen Teil der Insel reist, werde ich entweder das Holzfällergebiet des zweiten Siegers suchen oder die Baumwolleplantagen des dritten Siegers. Nachdem der erste Sieger nicht so gut mit uns konnte, gehe ich davon aus, dass ich nicht über die Handelsstrasse zum Hafen gehen kann ohne dass ich von den dunklen Gestalten der Finsternen aufgehalten werde. Ich kann nur sagen, wie es auf Primum war, da gingen die Kämpfe um jeden Meter der Handelsstrasse weiter.

Ich gehe aber davon aus, dass die Freien sich so schnell wie möglich ihre Anlegestelle ausbauen werden, um ihr sauer verdientes Holz von der Insel zu schaffen. Weil den dünnen Steg, der eigens für den Wettbewerb errichtet wurde, haben die Mapori mittlerweile abgebaut und in den Kreislauf zurückgeführt. Was auch immer das heißen mag.

Ich habe mir überlegt, dass ich an der Küste entlang gehe. Das Blöde ist nur, ich muss dabei das Gebiet der Mapori irgendwie hinter mich bringen. Durchqueren würde ich wahrscheinlich nicht überleben. Deshalb versuche ich es zu umgehen, in dem ich an der Küste bleibe.

Aber vorher muss ich alles zusammenpacken, was sich lohnt mitzuschleppen.


Ich geb die Hoffnung nicht auf, dich eines Tages wieder zu sehen.


Der Elmar, Abenteurer deines Herzens

Tag 4

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TagebuchErika, Sonne meines Herzens!


Neuer Tag, neuer Mut. Nachdem ich gestern nahezu alle Lagerplätze abgeklappert hatte, auf der Suche nach etwas Essbaren, will ich mich heute tiefer in den Wald wagen. Entgegengesetzt dem Lager der Mapori, ich bin doch nicht bescheuert. Am Ende essen die mich noch, weil sie behaupten ich wäre vom Baum gefallen. 

Ich hoffe unbeobachtet einen Fisch zu fangen oder ein Kleintier zu jagen. Weil ich habe nicht vor auf diesem Eiland zu verhungern. Und ich habe auch nicht vor, mich nur noch von Nüssen, Beeren und Wurzeln zu ernähren. Bevor das passiert, esse ich alle Mapori und die Säerin muss dabei zusehen.

Ich sprach ja schon von ihr. Die Säerin. Das erste Zusammentreffen war ziemlich kurz. Wegen dem Papier ist sie ja wieder abgedampft wie eine brennende Furie. Der Vergleich hinkt, die Mapori machen gar kein Feuer. Egal. Ich dachte auch am Anfang sie wäre die Seherin. Das mag zwar auch zutreffen, aber in erster Linie ist sie für das Wachstum verantwortlich. Sie schien mir ziemlich jung, fast schon kindlich. Ich vermag sie kaum einzuschatzen. Manchmal wenn man einfach nur sie betrachtet, wie sie mitten in einer tosenden Schlacht auf dem Boden kniet und umgeknickte Grashalme glattstreicht und sich dann in ihrem Gesicht der gesamte Schmerz beider Welten widerspiegelt, kann man für einen Moment vielleicht erahnen, wie alt sie wirklich ist. Und wäre es nicht genug, steht sie dann auf und geht wieder auf ihren Berg. Und dann hört man stundenlang nichts von ihr.

Aber wenn sie dann von ihren Berg herunter steigt und über die endlosen Wiesen voll Buschwindröschen wandelt, da könnte man schon einen Moment die Zeit vergessen.

Säerin
Liebe Erika versteh mich nicht falsch. Ich bin nur ein einfacher Metzger, und der Anblick von diesem etherischen Pflänzchen lässt mich zu weilen wahrlich den Faden verlieren. 

Erika glaube mir, mein verliebtes Herz gehört nur dir. Und ich sehne mich an den Tag, an dem wir uns wiedersehen können. Morgen schreib ich dir was mir der Tag zu bieten hatte. 


Dein verwirrter Metzger und Jäger deines Herzens

Tag 3

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Geliebte Erika, Tagebuch


Der Morgen des dritten Tages war kalt und einsam, ohne dich.


Was ich bisher nicht schrieb, wie ich dazu komme dir zu schreiben, obwohl ich weder weiß woher du kamst oder wohin du gingst. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mal ob du dich je an mich erinnern wirst, gesetzt des unwahrscheinlichen Falles das dich diese Zeilen je erreichen werden.

Ist doch das Schreiben das Einzige was mich davon abhält bereits am dritten Tag völlig wahnsinnig armewedelnd und schreiend über die Insel zu laufen, in der Hoffnung die Mapori machen meinem Elend ganz schnell ein verfrühtes Ende. Dabei ist es wahrscheinlich das Schreiben was die Mapori mehr erzürnen wird, als das Schreien und Arme wedeln. Gegen das Schreiben an sich hätten sie wahrscheinlich nichts, wenn man es nicht auf Papier täte. Der Besitz von Papier war der größte Frevel den man auf der zweiten Insel unwissender Weise begehen konnte.

Andere würden lachen, aber das Mitführen von Papier hat die geistige Anführerin der Mapori derart aus der Fassung gebracht, dass sie erst wieder mit uns sprach als wir den Schreiberling ins Lager zurück schickten. Wo er dann in aller Eile seine Papiere vergrub, um sich darauf hin auf seiner Hand den ganzen Tag Notizen zu machen, um es dann nachts auf eine alte Schweinehaut zu ritzen.

Und das Erste was ich tat, als mir klar wurde, dass ich für alle Ewigkeit hier festsitzen würde, ich buddelte seinen Papierkram aus und versteckte ihn in meinem neuen Zuhause. Der zerstörte Zuber war nun mein Geheimniswahrer. Und auf Papier liegt es sich wärmer als gedacht.


Der Hunger war es, der mich auf dem großen Platz des Wettbewerbs umhertrieb, in der Hoffnung etwas Essbares zu finden. Ich stocherte im Müll aller Lager und fand zwar einiges Brauchbares, aber nur wenig Essbares. Also führte mich mein Weg in den Wald. Mal sehen ob der Wald mich ebenso ernährt, wie er es bei den Mapori tat.

Ich fand ein paar Nüsse und ein paar Beeren, von denen ich mir sicher war, dass sie mich nicht umbrachten.

Zu guter Letzt fand ich einen dieser Pilze, die auch die Mapori zu sich nahmen und kehrte in mein ärmliches Lager zurück, um dir diese Zeilen zu schreiben, liebste Erika.


Dein liebeshungriger Elmar



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